2026
20
Jan

Wellenflug ins neue Jahr

Am Neujahrstag konnten drei unserer Mitglieder einen unvergesslichen Wellenflug auf über 5300m im Bayerischen Wald machen

Während viele den Neujahrstag ruhig begonnen haben, hieß es für einige Chamer Segelflieger früh aufstehen. Eine seltene Wetterlage, die sich bereits zwei Tage zuvor angekündigt hatte, versprach ideale Bedingungen für einen Höhenflug. Jonas Blahnik, Simon Wachter und Gerhard Sindermann nutzten
die Chance und bereiteten am Flugplatz Cham zwei Segelflugzeuge vor. Ein kräftiger Westwind mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern in der Höhe war bereits vorhanden, lediglich eine hartnäckige Wolkenschicht verzögerte den Start. Nachdem sich diese gegen Mittag aufgelöst hatte, schleppte Nicholas Strasser um 12.15 Uhr den Doppelsitzer mit der Motormaschine in Richtung Viechtach. Östlich von Sankt Englmar trafen die Piloten auf den erhofften Wellenaufwind. Die Motormaschine kehrte anschließend zurück, um auch das einsitzige Segelflugzeug in die gleiche Position im sogenannten Föhnloch zu bringen. Von dort aus konnten beide Segler im ruhigen, gleichmäßigen Aufwind stetig an Höhe gewinnen. Unter den Flugzeugen lag nach Osten hin eine geschlossene Wolkendecke bis nach Tschechien, während sich nach Süden ein klarer Himmel mit beeindruckender Fernsicht über den Gäuboden bis zu den Alpen öffnete.
Die schneebedeckte Landschaft sorgte allerdings für ungewohnte Sichtverhältnisse: Die fehlenden
Konturen erschwerten die Orientierung aus der Höhe. Ein besonderer Meilenstein gelang im Doppelsitzer: Mit 5.350 Metern wurde die höchste jemals von Cham aus geflogene Höhe erreicht. Im Einsitzer war der Aufstieg für Gerhard Sindermann bei 3.000 Metern begrenzt, da sein Flugzeug über keinen Transponder verfügte. Dieser ist in Deutschland für Flüge oberhalb dieser Höhe vorgeschrieben, um die Sichtbarkeit für die Flugsicherung sicherzustellen. Die Flüge dauerten rund vier Stunden und endeten kurz vor Sonnenuntergang. Bei der Landung kündigte sich im Osten bereits der fast volle Mond an. Bei Temperaturen bis zu Minus 27 Grad, ausgerüstet mit Sauerstoff, erlebten die drei Piloten einen Neujahrstag, der ihnen noch lange in Erinnerung bleibt.

Text: Gregor Raab
Fotos: Jonas Blahnik/Gerhard Sindermann/Simon Wachter